Philosophie und Politik
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TERRA NUEVA
Lewis sah die endlose Steppe des Planeten Terra Nueva vor sich. Eine endlose Einöde legte sich über den Horizont des Planeten. Hier auf diesem Planeten soll Lewis ein Empirisches-Praktikum für die Kunsthochschule absolvieren. Er wird für 4 Wochen ohne eine Menschenseele in der Einöde dieses Ortes nach alten Artefakten suchen. Die alte Kultur der damaligen Bewohner, die von der Erde kamen und sich während eines Bürger-Krieges untereinander ausrottete, hinterließ auf Terra Nueva interessante Merkmale einer individuellen Zivilisation, die fernab von der Erde ohne fremde Hilfe es geschafft hatte 2 volle Familien-Generationen zu überleben..bis zum Tag der totalen Auslöschung..
Lewis nahm die Wasservorräte, die Essensrationen und die Werkzeuge samt Zelt, packte sie in den Two-Wheeler, eine art Motorrad mit Kofferraum, und setzte sich auf die Maschine. Er war gerade mit den Vorbereitungen zur Expedition fertig, als ihm einfiel die Versorgungsstation auf „automatische Kontrolle“ zu stellen. Er tat dieses und setzte sich dann für einen Moment auf sein Bett. An dieser Basis hier, wo er gestern von einem Forschungsschiff der Erde abgesetzt wurde, konnte er alle Instrumente die er benötigte einsammeln und mitnehmen. Es war eine kleine Basis mit mehreren Schlafräumen und einem Labor für Gesteinsproben. Lewis wunderte sich in Gedanken: Was nur bewegt eine Siedlerzivilisation dazu sich vollkommen in die Luft zu sprengen?
Bevor er in Gedanken und Zweifel verfiel, gab er sich eine Antwort: Der Hass ist Schuld, der innere Hass den der Mensch zulässt.
Wissend das er erst in 4 Wochen wieder hier sein wird, betrachtete er nocheinmal sein Bett, indem sicherlich so einige Forscher geschlafen haben mögen. Haben sie sich diese Frage auch gestellt?
4 Wochen Einsamkeit. Denn dann wird das Forschungsschiff ihn erst wieder aufsammeln und zurück zur Erde bringen können. Nunja er hatte seine Aufgabe bekommen. Die Aufgabenstellung der Akademie der Künste an seine Expedition war klar und deutlich gestellt worden, jeden Stein zu sammeln den es nur gab. Es war eine sonderbare Aufgabe. Normalerweise traute sich kaum ein Student des 8. Semesters allein auf eine so weit entfernte Expedition. Vielleicht waren sie deshalb mit Lewis schäbigen Voraussetzungen zufrieden? Sein Professor, mit dem er via Intercomunication (ein kleiner Laptop am Arm) jederzeit Kontakt aufnehmen konnte, hatte ihn stolz beim Abflug auf die Schulter geklopft. Seine Ergebnisse würden die ganze Akademie bekannt machen sagte er ihm mutmachend.
Lewis hielt das für zu übertrieben. Er wollte ja gerade das Leben auf der Erde vergessen. Nicht sensationslüstern sein und Geldgierig wie alle. Und außerdem war da ja noch diese wunderschöne, zarte Knospe Jasmis. Die Trennung vor einem Monat hatte ihn in die Verzweiflung getrieben und der Aufenthalt auf diesem Planeten sollte ihn eigentlich alles Irdische vergessen lassen. Er brauchte Ruhe um über einen neuen Beginn nachzudenken. Die Frau die er liebte würde nicht seine Frau werden wollen… Kraftlosigkeit und Liebeskummer mit Jasmes veranlasste ihn genau so sehr diese Reise an das Ende der Bewohnten Planeten zu unternehmen, wie der Drang nach Antworten für das Leben. Eine neue Frau an seiner Seite würde sicherlich danach folgen können, aber ersteinmal war doch der Schmerz zu groß. Eine neue Lebens-Perspektive wollte er finden, inmitten der Einsamkeit auf Terra Nueva.
Der Twowheeler beschleunigte und brauste durch den Steinsand, links und rechts von den dicken Rädern wurden Kieselsteine beiseitegefegt. So fuhr Lewis mit 80 Stundenkilometer der tristen Einöde entgegen. Über Ebene Steppe, dessen sand-rote Farbe einem die Augen blenden konnte. Dieses Rot konnte im Auge des Betrachters für eine Sinnlosigkeit stehen, weil es weit und breit keine anderen Farben mehr gab, nur roter Sand, roter Stein und rote Steinberg. Alle Vegetation wurde durch die Kriege und Bomben der ehemaligen Bewohner vernichtet.
Gespannt auf die ruhigen Tage, das langsame graben an Sandhügeln und die Minuten des Nachdenkens. Der Sternenhimmel wird Lewis sicherlich viel innere Ausgeglichenheit geben können. Terra Nueva war der ideale Ort um in sich zu gehen.
Er entdeckte laut Koordinaten nach einigen Stunden fahrt die Stelle wo vormals Ausgrabungen begonnen hatten. Das Team der Erde hatte hier vor gut 2 Jahren ihre Forschung abbrechen müssen, als die Firma pleite ging.
Er fand die Ausgrabungsstelle nördlich von der Basis, stellte sein Zelt auf und bereitete alles für die kommenden Werktage vor.
Lewis erste Nacht war begleitet von einigen Schlafstörungen. Die Idee, auf einem Planeten das einzige Lebewesen zu sein, machte ihm irgendwie ängstlich. Nachts stand er unruhig auf und spazierte umher. Ein Blick in den Himmel konnte ihn wiederum beruhigen. Sein aufgeregter Atem wurde ruhiger. Die Schönheit der Sterne am Nachthimmel konnte in ihm bedeutungsvolles Bewegen. Solche Pracht des Weltraums hatte ihn auch schon auf anderen Planeten zum zufriedenen Seufzen veranlasst. Hier aber war der Himmel so nah, ohne Wolken schaute er in die weiten des Alls hinaus. Wie an keinem Ort, funkelten hier Sterne und Galaxien. Immer wieder sah er in alle vier Himmelsrichtungen. Im norden bedeckte ein grünlich schimmernder Sternennebel die Landschaft des sonst so schwarzen Alls. Kleine Lichter waren zu einem Teppich zusammengelegt worden und strahlten ihr Licht gemeinsam in das Universum heraus. Es war sehr hell für irdische Verhältnisse. Er genoss diese herrliche Natur, Sterne machten ihn spontaner weise fröhlich. Dessen ungeachtet wusste er ja das das Leben ein Beginn gehabt haben musste, und das er jetzt, in diesem Moment ein Lebewesen war, das mit Sinnen befähigt wurde um diese Natur zu erkennen, ja obschon das alles wahr war, zweifelte er an der Menschheit. All die Kriege auf den Planeten. All die verseuchte Luft auf der Erde, es war schlimm! Schrecklich, wie die Menschen sich als Gäste im Universum benahmen.
Wenig Beglückt über diese Erkenntnis schlief er nach endlosem grübeln endlich ein.
Die nächsten Tage waren anstrengend, er musste viele Ausgrabungen unternehmen. Teils nutzte er die Anlagen der Forschungsgruppe die vor 2 Jahren hier waren, teils waren die Geräte nicht funktionsfähig. Viel hatten die Forscher nicht zurückgelassen. Er grub in tiefen von bis zu 5 Metern, fand gelegentlich brauchbare Stücke, die als Kultur der Bewohner identifiziert werden konnte. Es waren meist Reste von technischen Teilen. Robotertechnik der damaligen Zeit.
So verging die erste Woche.
Es wurde von Tag zu Tag interessanter, zu sehen was man am nächsten Tag für Puzzle teile finden würde.
Die nächste Woche über hatte er angefangen viele Notizen auszuwerten, sich in diesen Notizen ein Bild zu machen von dieser untergegangenen Zivilisation. Er bekam langsam das Interesse mehr zu erfahren über diese Menschen, die auswanderten um irgendwie ein besseres Leben zu führen, als das alte auf der Erde. Laut der Publikationen der Akademie, waren es Europäer die mit 225 Schiffen diesen Planeten besiedelten. Etwa vor 300 Jahren irdischer Zeitrechnung. Sie hatten sich losgelöst von der alten Heimat und niemand konnte irgendetwas über sie erfahren. Bis man vor 150 Jahren den Ionenantrieb perfektionierte und seither der Mensch problemlos fast jede Entfernung überbrücken kann. Und so stieß man vor einigen Jahren auf Terra Nueva. Er wurde jedoch schnell wegen der Wüstenlandschaft für wirtschaftliche Aspekte als unwichtig deklassiert.
Die Dritte Woche über kommunizierte er oft mit seiner Familie und seinem Professor, so konnte er die einsame Zeit ein wenig geselliger gestalten. Er berichtete von Funden und der Professor nahm sich alle zeit der Welt um Lewis bei der Ausgrabung und der Laboruntersuchung zu helfen. Diese Auswertung, die im Zelt von Lewis provisorisch anhand von einem mini-Computerboard aufgebaut wurde, ergab das genaue Bild der früheren Kultur. Der Proffessor konnte dank Lewis kleinem Handgelenkmonitor, viele nützliche Ratschläge erteilen. So kommunizierten sie viele Stunden und Lewis vergas die Einsamkeit.
So verging die Zeit auf Terra Nueva schnell…
..und langsam näherte sich der Abschluss seines Aufenthalts.
Nach der dritten Woche war Lewis froh über die Aussicht bald wieder zurück auf die Erde zu kommen. Er vermisste sie doch, DIESE GRAUSAME Welt, seinen Planet, auf der die Heimatstädte aller Menschen gegründet war. Nach diesen Wochen wollte er auch wieder seine Freunde sehen. Jasmis Freundschaft war auf einmal wieder kostbar, und seine Eltern wollte er danken für ihre gute Erziehung. Ihm wurde hier in der Einsamkeit bewusst, das er ohne seine Eltern kaum das Studium finanzieren konnte, und all die Fürsorge in den letzten Jahren, das war nur durch die Eltern möglich. Genau das!, wollte Lewis ihnen sofort mitteilen, wenn er wieder zurück in der Heimat sein wird. Er wollte auch Jasmis wieder sehen, er wollte die Trennung akzeptieren, denn es war ihm wichtiger diesen Menschen zu lieben und befreundet zu bleiben, als sie nie wieder zu sehen. Er konnte seinen Stolz hier, auf diesem roten toten Planeten aufgeben.
Er konnte über alles nachdenken und analysieren bis zu den Entscheidungen für die Zukunft. In den Nächten, da er sich Rat erteilen konnte, führte er oft imaginäre reden mit seinen verschiedenen Ansichten. In dieser nächtlichen Stille herrschte durch sein lautes reden oftmals eine beträchtliche Unruhe. Nur der warme Wind war sein Kumpane, der in den letzten Wochen all seine Selbstgespräche hörte. Er würde ihn natürlich vermissen.
Lewis wusste nun, das die Einsamkeit der Standort ist an dem Menschen zu heilsamen Entscheidungen kommen können. Er war sehr zufrieden mit dem Aufenthalt. Erstaunlicherweise dankte er in der letzten Woche jede Nacht wenn er spazieren ging, einfach dem Sternennebel im Norden für seine Pracht. Er wusste nicht genau warum er dies tat, aber es war richtig. Eigentlich dankte er auch für seine ersprießlichen Gedanken, die durch das aufblicken in diese herrliche Schöpfung inspiriert wurden. Er hatte das Gefühl, als wenn er in dieser Einsamkeit, mit dem in Lichtjahren entferntem Nebel genauso reden konnte, wie mit einem Freund. Diese seltsame Auffassung schrieb er unverfälscht in sein Tagebuch. Er wollte es ja niemandem zeigen, aber notieren schon. Man würde wohlmöglich Lewis für verrückt halten würde man seine Gedanken lesen können.
Fraglich kam ihm ein Gefühl seltsam echt vor. Er fühlte jeden Tag mehr das er beobachtet wurde. Irgendetwas dort im gesamten Universum schien zu leben. Ihn anzuschauen. Ihn jeden Tag zu begleiten. Nur was es war, konnte er nicht erklären.
Am vorletzten Tag seines Aufenthalts, fuhr Lewis an einen Ort, wo die Zerstörung durch den Bürgerkrieg die alten Bauten nicht ganz so verheerend in Schutt und Asche gelegt hatten. Es waren einige Versorgungssilus, die 10 Meter hoch aus dem roten Sand in den dunkelblauen Himmel ragten. Etwa 30 Stück in einer Reihe über einen Kilometer verteilt. In den Kontrollräumen dieser Tanks fand Lewis neben alter Technik noch wunderbar erhaltene persönliche Lockbücher!
Durch diesen Fund war die Forschungsreise ein absoluter Erfolg geworden. Den Tipp nach alten Silos im Nordwesten zu suchen, kam vor einigen Tagen vom Professor selbst. Über sein Handgelenkmonitor wurde Lewis an diese Stelle geleitet. Der Professor, war nach eigenen Nachforschungen auf der Erde, auf Quellen gestoßen, die ihm diesen Tipp gaben. Es waren die Forscher der alten Expedition selbst die er ausfindig machen konnte und die ihm natürlich alle Mysterien ihrer Reise vor 2 Jahren, erzählten.
Hier stand Lewis nun, sah sich diese Monumente einer untergegangenen Siedlerzivilisation an und staunte unaufhaltsam. Damit hatte er nicht gerechnet. Eine Goldgrube für die Forschungsabteilung seiner Akademie. Er wird wohl in die Presse kommen.
So wandelte sich alles binnen von 4 Wochen. Er konnte sein glück gar nicht verstehen. In den meditativen letzten Tagen wandelte sich das ganze Blatt und die Ausgrabungen wurden zu einem Fund echter Heldengröße.
In der letzten Nacht vor seiner Abreise, stand er neben diesen alten Bauten und schaute an ihnen vorbei in den Himmel. Da schimmerte wieder das Licht des Sternennebels, der über die hälfte des Nordhorizonts bedeckte. Dadurch waren die Nächte auf Terra Nueva auch meist heller als auf der Erde. Man konnte in der Dunkelheit seine eigene Hand vor Augen noch erkennen.
In dieser Nacht wollte er seine Gedanken auf sein Mobilfon das er am Handgelenk trug sprechen:
EINTRAG LEWIS:
“ Was für ein glück diese Reise war, und irgendwie glaube ich tieffest daran, das mein glück mit diesen Milliarden Sternen zu tun hat, oder eher gesagt mit diesem Universum. Wie ich darauf komme? Nun ich weis es einfach. Irgendetwas hat alles gelenkt. Meine Gedanken, meine Suche nach den richtigen Orten der Ausgrabung. Ich habe in der Lebenskrise, in der ich steckte, antworten erhalten. Die Einsamkeit gab mir richtige Tips und ich konnte mich innerlich davon überzeugen, das die Menschen, die in meinem Leben mir an die Seite gestellt wurden, die richtigen waren. Ich will allen groll vergessen, ja ich will allen Menschen vergeben die mir irgendwie das Leben schwer gemacht haben. Ich will Freundschaften retten, Menschen ein Freund sein und nicht mehr mich als Mittelpunkt des Lebens sehen. Das ist falsch gewesen. Jetzt weiß ich mehr: Jeder Einzelne ist mein Mittelpunkt im Leben !“
Nach unzähligen Aufzeichnungen in sein Tagebuch und nach kilometerweiten Spaziergängen in der herrlichen Einsamkeit des Planeten, schlief Lewis müde am Fuße eines großen Silos der alten Kultur ein. In dieser letzten Nacht durchlebte er faszinierende Träume. Er sprach in seinen Träumen mit Bewohnern der alten Kultur und sie erzählten ihm wie tiefbestürzt sie darüber waren, das der Hass untereinander sie zu diesem Ende geführt hatte. Sie bereuten ihr falsches Handeln, das auf Neid aufgebaut war.
Als sein Wecker ihn morgens weckte, und ihn aus seinem unglaublichem Traum gerissen hatte, war er bis zum Hals bedeckt von dickem rötlichem Sand. Er klopfte sich die Kleidung sauber und starrte dann in die große Sonne, die ihre unerträgliche Hitze aussandte. In Gedanken grüßte er sie. Er packte seine Sachen und fuhr zurück zur Basisstation. Dort hatte er noch einige Stunden bis zum Abholtermin. Er duschte erleichtert und wusch sich gründlichst den schweren Staub der vergangenen Vier Wochen vom Leib. Er empfand die ganze Zeit ein Glücksgefühl. Eine art Zuversicht bescheinigte ihm etwas. Er wusste große Ereignisse würden auf ihn warten. Die Analyse der 300 Jahre alten Tagebücher die er gefunden hatte, würden ihn an der gesamten Akademie berühmt machen. So war er doch sehr erleichtert zu wissen, das er mit einem neuen Projekt diesen Planeten wieder besuchen kommen würde, mit einem großen Team an Wissenschaftlern.
Und was seine neue Lebensbejahung betraf, so war er sicher, das es zu einem eindrucksvollen neuen Start in seinem Leben kommen wird, indem die Probleme des Lebens anders bewältigt werden als bisher: nicht mit innerem Rückzug und Frust über Menschen, denen er begegnen wird, sondern mit viel Herz und Verständnis, denn er wusste ja jetzt, das das Universum Vernunft und Klugheit aufwies, denn all die Reflektierten Gedanken der letzten Wochen waren irgendwie gelenkt worden und außerdem, so war er überzeugt, sieht das gesamte Universum jeden einzelnen Gedanken von uns Menschen…
Manu Loganey
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